Bau der 700 Meter langen Betonsperrmauer 1966

Ein Besuch in „Little Berlin“

Das kleine Dorf Mödlareuth wurde zu DDR-Zeiten durch Grenzanlagen geteilt. Heute erinnert eine Gedenkstätte mit Museum an die außergewöhnliche Geschichte dieses Ortes

Die Amerikaner nannten es „Little Berlin“: Das kleine 50-Seelen-Dorf Mödlareuth. Denn dass die Grenze zwischen Bayern und Thüringen mitten durch den Ort verläuft, wurde dem kleinen Örtchen zu DDR-Zeiten zum Verhängnis. Mödlareuth wurde – wie Berlin – geteilt und damit unfreiwillig zum Symbol der deutschen Teilung. Heute gibt es in Mödlareuth ein Deutsch-Deutsches Museum mit Gedenkstätte, das über die historischen Hintergründe der deutschen Teilung, vor allem aber über die außergewöhnlichen Lebensumstände, die im Grenzgebiet herrschten, informiert.

In Mödlareuth gab es eine Mauer, aber keinen Checkpoint. Über 37 Jahre lang war es nicht möglich, auf legale Weise die Grenze zu überschreiten, um von den einen in den anderen Ortsteil von Mödlareuth zu gelangen. Auf der einen Seite war Sperrgebiet, auf der anderen Seite Besucherandrang. Von Ost nach West zu winken oder zu grüßen war verboten. Eine Grenze mitten durch ein kleines Dorf – die Ursachen liegen in Mödlareuth schon Jahrhunderte zurück. Im Jahr 1810 wurden entlang des Tannbachs neue Grenzsteine gesetzt. Die eingemeißelten Initialen „KB“ (Königreich Bayern) auf der westlichen, „FR“ (Fürstentum Reuß) auf der östlichen Seite dokumentieren noch heute die Zugehörigkeit Mödlareuths zu verschiedenen Landesherren.

Seit Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 gehörte der thüringische Teil des Ortes zum Territorium der DDR, die bayerische Hälfte zu dem der Bundesrepublik. 1952 entstanden die ersten Grenzsperranlagen. Im Juni 1952 wurde mit der Errichtung eines übermannshohen Bretterzauns die totale Abgrenzung der beiden Ortsteile eingeleitet. Jahrhundertealte wirtschaftliche, gesellschaftliche und familiäre Verbindungen über den Tannbach hinweg kamen damit abrupt zum Erliegen. In den nächsten Jahrzehnten wurden die Sperranlagen in Mödlareuth immer weiter modifiziert und „verbessert“. 1966 erfolgte der Bau einer 700 Meter langen und 3,30 Meter hohen Betonmauer, die bis zur Grenzöffnung 1989 das Dorf teilte.

Bis heute ist das Dorf ein Kuriosum

Das Dorf Mödlareuth stellt auch heute noch ein „Kuriosum“ dar – die eine Hälfte bayerisch, die andere thüringisch. Der Tannbach bildet die Landesgrenze zwischen den beiden Freistaaten Bayern und Thüringen. Unterschiedliche Fahrzeugkennzeichen, Postleitzahlen und Telefonvorwahlen sind äußere Zeichen dieser Verwaltungsgrenze. Zwei Bürgermeister kümmern sich um das Wohl der 50 Einwohner, deren Zugehörigkeit schon am Gruß zu erkennen ist: „Grüß Gott“ auf der einen, „Guten Tag“ auf der anderen Seite. Doch heute gestaltet man den Alltag wieder gemeinsam, feiert Feste zusammen.

Eröffnung des Grenzübergangs Mödlareuth am 9. Dezember 1989
Eröffnung des Grenzübergangs Mödlareuth am 9. Dezember 1989

Deutsch-deutsches Museum Mödlareuth

An diesem für die Geschichte der deutschen Teilung bedeutsamen historischen Ort sind Teile der 700 Meter langen Betonsperrmauer, des Metallgitterzauns sowie der Beobachtungsturm im Original erhalten geblieben. Die heutige Gedenkstätte verfügt über ein Freigelände, auf dem man diese alten DDR-Grenzanlagen besichtigen kann. Im Ausstellungsbereich des Museums werden die historischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte des geteilten Deutschlands anschaulich und eindrücklich thematisiert und wenn möglich anhand regionaler und lokaler Beispiele erläutert. Im Kino erzählt auch ein Film von der außergewöhnlichen Historie des Ortes. Das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth ist Zeugnis für die Verbrechen der SED-Diktatur, ein Ort der Erinnerung an die deutsche Teilung und des Gedenkens an deren Opfer sowie ein außerschulischer Lernort für gegenwärtige und zukünftige Generationen im Rahmen der historisch-politischen Bildung. Ein Museum, das einen Besuch mehr als wert ist.
www.museum-moedlareuth.de

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