Eine Hand hält ein Glas mit Bier

Was Sie schon immer über Bier wissen wollten

Aus nur vier natürlichen Zutaten entsteht in über 1.500 deutschen Brauereien Tag für Tag eine weltweit einzigartige Vielfalt von über 40 verschiedenen Biersorten und mehr als 6.000 einzelnen Biermarken. Zeichen einer weltweit beachteten Braukunst, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat.

Jede Woche kommt mindestens ein neues Bier auf den deutschen Markt. Nirgendwo ist der Biermarkt so abwechslungsreich und vielfältig wie in Deutschland, in keinem anderen Land haben die Verbraucher eine größere Auswahl. Deutsche Biertrinker könnten rein rechnerisch mehr als 16 Jahre lang jeden Tag ein anderes Bier probieren – und müssten dabei keines zweimal kosten.

Je nach Region sind die Geschmäcker verschieden

Der Geschmack ist vor allem regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. So schwört der norddeutsche Bierfan vorzugsweise auf sein kühles Blondes, während sein niederrheinischer Freund meist dem süffigen rotbraunen Alt den Vorzug gibt. Und anderswo – vor allem im Süden – gerät man beim tiefdunklen Starkbier in Verzückung. Die beliebteste Biersorte der Deutschen ist mit einem Marktanteil von weithin über 50 Prozent aber das Pils. Dahinter folgen die Sorten Weizen und Export. Deutlichen Zuwachs verzeichnet in jüngster Zeit das Helle. Immer beliebter sind in den vergangenen Jahren alkoholfreie Biere geworden. Seit 2008 hat sich ihr Absatz verdoppelt, der Marktanteil liegt bei über sechs Prozent. Auch das Craftbier erobert den deutschen Markt. Diese zumeist sehr aromaintensiven Biere, bei denen größere Hopfenmengen sowie immer öfter auch neue Aromahopfen-Sorten zum Einsatz kommen, sind von Regionalität und Experimentierfreude geprägt. Meist werden sie nur in kleineren Mengen hergestellt und oft direkt vor Ort in Braugaststätten und Bars ausgeschenkt.

Verschiedene Biersorten im Glas im Brauereigasthof Sperber Bräu in Sulzbach-Rosenberg.

Wenngleich der Marktanteil der Craftbiere bisher nur bei ein bis zwei Prozent liegt, dokumentiert der Boom dieser Biere das wachsende Interesse der Verbraucher an Brauhandwerk und Biervielfalt. Marktforschungen zeigen, dass regionale Spezialitäten wie Landbiere, Kellerbiere oder Zwickl, die zum Teil auf alten oder neu interpretierten Rezepturen beruhen, in der Gunst der Verbraucher steigen. Dass Deutschland gerade eine Renaissance des Bieres und Brauens erlebt, wird auch daran deutlich, dass sowohl die Zahl der Heim- und Hobbybrauer als auch die Gemeinschaft der ausgebildeten Biersommeliers immer weiter wächst. Viele Braukurse sind auf Monate ausgebucht. Weiter unten haben wir einige interessante Fakten zum Thema Bier zusammengetragen. Schauen Sie mal, was Sie über dieses einzigartige Getränk noch nicht wussten.

Brauereimuseum in Kulmbach

Wer mehr über Bier erfahren will, dem sei ein Trip nach Oberfranken empfohlen. Hier gibt es nicht nur die größte Brauereidichte der Welt, sondern in Kulmbach, der „heimlichen Hauptstadt des Bieres“, auch das Bayerische Brauereimuseum. Es nimmt sich auf über 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gekonnt des Themas an. Von der Kunst des handwerklichen Bierbrauens um 1900 bis zum technisierten und computergesteuerten Bierbrauen heute führt die Ausstellung mit vielen interaktiven Stationen und sehenswerten Ausstellungsstücken. Wertvolle Exponate, wie eine 3000 Jahre alte Bieramphore, alte Bierkrüge, Sudhäuser und bibliophile Kleinodien runden die eindrucksvoll inszenierten Themenbereiche ab. „Höhepunkt des Besuchs ist der Gang durch die ´Gläserne Brauerei´ mit ihren durchsichtigen Kesseln und den glänzenden Kupferhauben“, empfiehlt Marion Passing vom Flair Hotel Dobrachtal in Kulmbach. Regelmäßig sind ihre Gäste im Brauereimuseum zu Gast. In der gläsernen Brauerei schauen die Besucher dem Braumeister direkt über die Schultern und können ihn nach Herzenslust zu seiner Arbeit in der Kleinbrauerei befragen. Gerne darf man auch mal probieren.

Oder Sie gehen „hautnah“ in einer Brauerei auf Tuchfühlung. Im Flair Hotel Brauerei Gasthof Sperber-Bräu im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg zum Beispiel können Sie bei einer „Bierexpedition“ ganz tief ins Reich der Biere eintauchen. Sie erfahren noch mehr Wissenswertes und Interessantes aus dem Mikrokosmos des Bieres – richtig zum Anfassen. In der traditionsreichen Brauerei kann man erleben wie „Craft“-Bier wirklich gemacht wird. „Für viele ist Craft nur ein Schlagwort“, sagt Braumeister und Chef Christian Sperber, der die Teilnehmer durch sein Reich führt. „Aber wir brauen wirklich noch echt handwerklich – so wie zu meines Vaters Zeiten.“ Anekdoten, Mythen aber auch Märchen gibt es zuhauf in der Welt des goldgelben Gerstensafts. Christian Sperber klärt auf. Kompetent und interessant vermittelt er viele neue Dinge über Bier, Bierverkostung und Biersorten.

„Bier braucht Heimat“, erklärt der Braumeister. Und meint, dass ein Bier nach der Region schmecken muss, aus der es kommt. Dies mache die verschiedenen Biere so einzigartig. „Bei mir kommt beides im Herzen zusammen – Bier und Heimat“, lächelt er. In seiner Heimat in der Oberpfalz wird das Bier natürlich auch gerne getrunken. Deshalb kommt die Verkostung bei der „Bierexpedition“ auf keinen Fall zu kurz. Im Brauerei-Gasthof werden die leckeren und mehrfach durch die DLG und den European Beer Star prämierten Biere ausgeschenkt. „Wir haben bestimmt für jeden Gaumen das entsprechende Bier“, verspricht Christian Sperber.

Bierexpedition im Flair Hotel Brauereigasthof Sperberbräu in Sulzbach-Rosenber in der Oberpfalz.

Wissenswertes!

Die Kernzutat

Malz ist die Kernzutat von Bier. Wasser braucht jedes Getränk, und Hefe wird generell zur alkoholischen Gärung benötigt. Selbst Hopfen ist streng betrachtet nur eine Würzpflanze mit ein paar positiven Nebeneffekten. Doch der Rohstoff, der Bier zu Bier macht, ohne den Bier als Getränk unmöglich wäre – das ist Getreidemalz. Nach Wasser nimmt Malz grundsätzlich den höchsten Rang auf der Zutatenliste von Bier ein und definiert dieses als alkoholisches Getränk auf Getreidebasis. Dabei kann Malz aus verschiedenen Getreidesorten hergestellt werden. Gerstenmalz ist die Nummer 1 in der Bierproduktion, Weizen als die Nummer 2 folgt bereits mit gehörigem Abstand.

Das Geheimnis der Hefe

Bis ins hohe Mittelalter waren viele Brauer verzweifelt, wenn Ihnen erneut der befürchtete Fäulnisgestank aus dem Biersud entgegenschlug. Wieder einmal war ein Brauversuch danebengegangen, und keiner wusste so recht, weshalb. Neidisch schielte man auf den Bäckermeister, der sich seinerzeit ebenfalls mit Vorliebe dem Bierbrauen zuwandte. Wie kam es nur, dass er beim Brauen so viel mehr Erfolg hatte? Heute ist man schlauer und weiß, dass das Geheimnis seines Erfolges ein unscheinbares Etwas namens Hefepilz war. In der Luft der Backstube zu Hause, gelangten die winzigen einzelligen Organismen ungehindert in den Bierzuber und bewirkten dort allerhand. Was das war, wussten freilich auch die Bäcker nicht so genau, wenngleich sie die Lorbeeren gerne einheimsten: Sie hatten beim Kampf um das Braurecht im Mittelalter meist die Nase vorn.

Doch erst seit Mitte des 16. Jahrhunderts kennt man das Zauberwort: alkoholische Gärung. Und man weiß, dass die Hefe in Verbindung mit Zucker diese erst möglich macht. Rund zwei Jahrhunderte später, 1789, erkannte der Forscher Lavoisier, dass das fulminante Duo Hefe/Zucker eine geradezu durchschlagende Wirkung hat. Es bringt nämlich gleich zwei Komponenten in den Gerstensaft: Den leichten Alkoholgehalt und die prickelnde Spritzigkeit. Der Clou: Durch die Beigabe von Hefe wird der Malzzucker in der Bierwürze in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt.

Reinheitsgebot

Am 23. April 1516 wurde im bayerischen Ingolstadt das Reinheitsgebot für Bier verkündet. Es schreibt vor, dass zum Brauen nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden dürfen. Das Reinheitsgebot steht für die Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik und gilt zugleich als älteste, heute noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. Seit 1995 findet jährlich am 23. April der Tag des deutschen Bieres statt, der an das Reinheitsgebot erinnern soll.

Drei Gläser mit Bieren von unterschiedlicher Farbe.

Schaum

Die im Bier gelöste Kohlensäure ist in erster Linie verantwortlich für die Entstehung des Bierschaumes. In dem Moment, in dem das Bier ins Glas eingeschenkt wird, entbindet sich die Kohlensäure. Das hat zwei Gründe: Zum einen fällt der Gegendruck weg, der beim Abfüllen in Fass oder Flasche aufgebaut wurde. Zum anderen trifft das Bier auf die Glaswände. Je stärker dies passiert, desto stärker schäumt das Bier. Trifft das Bier schräg aufs Glas, sind die Kräfte geringer, als wenn es direkt auf den Glasboden trifft. Hält man das Glas beim Einschenken schräg, schäumt das Bier deshalb weniger stark. Da die Kohlensäure nun in einen gasförmigen Zustand übergegangen ist, steigen beim Einschenken unzählige feine Bläschen an die Oberfläche. Auf ihrem Weg nach oben lagern sich an der Oberfläche der Kohlensäurenbläschen Moleküle an – vor allem Eiweiß, das aus der Gerste bzw. dem Weizen stammt. Dadurch bilden sich elastische Häutchen um die Bläschen. Zudem reißen die Bläschen Luft und Flüssigkeit mit nach oben. Dieses Gemisch setzt sich an der Oberfläche des Bieres ab und bildet den sahnigen weißen Bierschaum, den der Kenner so sehr liebt.

Farbe

Was gibt unserem Lieblingsbier eigentlich die charakteristische Färbung? Das Malz macht´s. Der Farbgeber Nummer Eins wird in unterschiedlich langen Trockenprozessen – dem „Darren“ – aus gekeimter Braugerste erzeugt. Entscheidend für die Farbgebung des Bieres sind vor allem Darrtemperatur und -dauer. Ein helles Bier braucht helles Malz, ein kräftig gefärbtes Bier eine satte Malzfarbe. Farbmalz, auch „Röstmalz“ genannt, wird in geringen Mengen als zusätzlicher Farbgeber eingesetzt und mag es richtig heiß: In der Rösttrommel müssen schon an die 200 Grad herrschen! Häufig werden verschiedene Malztypen gemischt, um den gewünschten Farbton zu erzielen. Ein Wörtchen mitzureden hat bei der Farbgebung auch das Wasser. Karbonatreiches Wasser etwa begünstigt die Herstellung dunklen Bieres. Für helle Biere, wie beispielsweise Pils, eignet sich besonders weiches, karbonatarmes Wasser.

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