schönste Altstadt Deutschlands

Dinkelsbühl: Schönste Altstadt Deutschlands

Die Altstadt von Dinkelsbühl ist die schönste Altstadt Deutschlands. Das meinte 2014 das Magazin Focus, das dem Herzstück der fränkischen Stadt im idyllischen Wörnitztal dieses Prädikat verliehen hat. Wir forschen nach.

Ein Geheimtipp und „Zeitreiseziel“ sei Dinkelsbühl, so die Focus-Redaktion. Davon wollen wir uns selbst ein Bild machen, packen die Koffer und reisen in dieses europäische Kulturdenkmal. Schon kurz nach der Ankunft müssen wir den Journalisten Recht geben. Farbenfrohe Fachwerkhäuser, malerische Winkel, verträumte Gässchen – ein Ort wie aus einem alten Märchenbuch. Hier fühlt man sich in frühere Zeiten zurückversetzt. Doch Dinkelsbühl ist kein Freilichtmuseum, sondern lebendige Gegenwart.

Die Altstadt gilt weithin als herausragendes Beispiel einer spätmittelalterlichen Stadt. Das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg hat sie ohne Schäden an ihrer mittelalterlichen Substanz überstanden. Eine noch vollständige Stadtmauer, Türme und Tore umgeben sie. Geschützt von der wehrhaften Mauer erinnern prächtige Patrizierhäuser wie der Hezelhof und das Deutsche Haus an Dinkelsbühls große Zeit im 15. und 16. Jahrhundert. Steinerne Zeugen von Bürgerstolz und Glaubensstärke sind bis heute das gotische Münster St. Georg im Herzen der Stadt oder das großzügige Heilig-Geist-Spital. Eine vorausschauende Planung und engagierte Denkmalpflege hüten heute das Erscheinungsbild.

Dinkelsbühl – ein Spaziergang durch die Stadt

Nach einem ersten Spaziergang durch die Stadt besuchen wir das Haus der Geschichte und bekommen Antworten auf die Frage, warum Dinkelsbühl so ist wie es ist (www.hausdergeschichte-dinkelsbuehl.de). Das Haus widmet sich der Spurensuche nach über 800 Jahren Reichsstadtgeschichte. Zeitgemäß und spannend inszeniert werden Aufstieg und Fall Dinkelsbühls, Konflikte und Kriege, Wirtschaft und Leben in einer konfessionell geteilten Reichsstadt lebendig. Das Museum erhält viel Anerkennung für seine moderne Gestaltung und die ansprechende Dramaturgie. Es ist im Alten Rathaus untergebracht, ein reizvoller Gebäudekomplex aus dem 14. bis 16. Jahrhundert.

Ein Museum der ganz anderen Art haben wir uns für morgen vorgenommen: Das Museum 3. Dimension in der ehemaligen Stadtmühle (www.3D-Museum.de). Es  erschließt die Kunst der perspektivischen Darstellung sowie das Geheimnis der optischen Täuschungen und zeigt die wundersame Welt von Licht und Laser, der Holografien und 3-D Projektionen. Ein Museum zum Anfassen und Spaß haben.

Jetzt wollen wir aber noch ein bisschen draußen unterwegs sein. Wir entschließen uns zu einem Spaziergang entlang der Stadtmauer um die gesamte Altstadt herum. Weiher, Wiesen und Parks bilden einen grünen Rahmen um die Altstadt und umfassen den mittelalterlichen Kern wie ein kostbares Juwel. Immer wieder müssen wir anhalten und die herrlichen Blicke auf die Stadt genießen.

Die Teichwirtschaft hat einst die idyllische Weiher- und Flusslandschaft der Umgebung geformt. Der „Dinkelsbühler Karpfen“ deckte den Tisch der einfachen Leute wie der wohlhabenden Patrizier. Wenn die Teiche im Herbst abgefischt werden, bringt dies auch heute noch eine reiche „Fisch-Ernte“ und lockt zur Fisch-Erntewoche Anfang November die Liebhaber dieser gesunden und schmackhaften Lebensmittel in die Region. Denn neben Karpfen wachsen auch Zander und Waller, Hecht und Schleie in den Gewässern heran.  Ein kulinarischer Höhepunkt, den kein Fisch-Liebhaber verpassen sollte.

Festlich glänzend präsentiert sich die alte Stadt in der Adventszeit. Unter dem Motto „Ihr Kinderlein kommet“, dem Weihnachtslied von Dinkelsbühls bekanntem Sohn Christoph von Schmid, hat sich der Weihnachtsmarkt im Spitalhof zum Geheimtipp und Publikumsmagneten entwickelt.

Die Dinkelsbühler Kinderzeche

Höhepunkt eines jeden Jahres aber ist die „Kinderzeche“, Dinkelsbühls „fünfte Jahreszeit“ (www.kinderzeche.de). Der Überlieferung nach war es das beherzte Eingreifen der Türmerstochter Lore, das die Stadt im Dreißigjährigen Krieg vor Plünderung und Brandschatzung bewahrte. Zusammen mit den Kindern Dinkelsbühls zog sie dem Feind entgegen und erweichte das Herz der schwedi­schen Krieger. Zum Dank an ihre Kinder feiert die Stadt noch heute alljährlich im Juli die „Kinderzeche“ mit Festspiel, historischem Festzug, vielen weiteren Veranstaltungen und einem großen Volksfest. Dabei ist ganz Dinkelsbühl auf den Beinen und außer Rand und Band. Wer die Kinderzeche verpasst, sollte einen Besuch im Zeughaus der Kinderzeche einplanen (www.kinderzech-zeughaus.de). Der mächtige Fachwerkbau, ein ehemaliger Kornspeicher, beherbergt den umfangreichen Fundus des Festspiels an Waffen, Kostümen und Gerätschaften.

Am Abend speisen wir  ausgezeichnet im Flair Hotel Weisses Ross in der Steingasse, wo wir uns auch für die Nacht einquartiert haben. Laut Landesamt für Denkmalpflege ist die historische Gaststube eine der 50 schönsten und am besten erhaltenen in Bayern. Wir fühlen uns pudelwohl und betrachten neugierig die vielen Bilder aus der Zeit ab ca. 1910, die hier hängen. Unser Wirt, Joachim Neuhäuser, verrät uns, dass sein Hotel auch das Haus der Künstler genannt wird, früher sei es erste Anlaufstelle für Maler gewesen. Im Haus der Geschichte sind noch die Gästebücher der Maler vom Flair Hotel Weisses Ross zu sehen. „Deswegen ist über unserem Hauseingang ein großes Bild, gemalt von vier Malern“, sagt er. Jetzt wissen wir auch, warum das Wort ´Malerheim´ an der Außenfassade steht. „In dieser Tradition hatten meine Frau und ich 35 Jahre lang eine Malschule mit Lehrern und Professoren“, erzählt Joachim Neuhäuser. Die Malschule gibt es mittlerweile nicht mehr. „Aber noch heute trifft sich ein Malkreis bei uns.“

Stadtführungen in Dinkelsbühl

Unser Wirt hat noch einen Tipp für uns parat und so machen wir uns zu später Stunde nochmal auf die Socken – zum Rundgang mit dem Dinkelsbühler Nachtwächter. Im Sommer startet er täglich um 21 Uhr vor dem Münster St. Georg und nimmt seine Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit, als es noch keine Leuchtreklame und digitalen Zeitvertreib gab.

Aber auch ganz normale Stadtführungen werden das ganze Jahr über jeden Tag in Dinkelsbühl angeboten. Sie starten am Münster St. Georg. Wer eine Stadtführung auf eigene Faust unternehmen möchte, muss nur sein Smartphone zücken. An markanten Gebäuden in der Altstadt sind QR-Codes angebracht. Wer sie einscannt erhält Informationen über das Gebäude vor dem er steht. Auch Rundgänge zu verschiedenen Themen sind auf diese Weise möglich.

Wir sind uns einig: Dinkelsbühl hat uns überzeugt. Der heitere Charme und das Flair der Altstadt sorgen für ein tolles Lebens- und Urlaubsgefühlt. Empfehlenswert.

Historisches Ambiente wie fränkischer Frohsinn prägen das Stadtfest „Leben in einer alten Stadt“ im September. In den malerischen Innenhöfen, Straßen und Gassen erleben die Besucher Markttreiben von ehedem und traditionelles Handwerk garniert mit Genüssen aus Küche und Keller sowie selbstverständlich viel Musik.

Die Stadt hütet ein reiches historisches Erbe und hat baugeschichtlich hervor­ragende Bedeutung. – Urkundlich bereits 1188 erstmals erwähnt war Dinkelsbühl bereits damals wichtiger Handelsplatz an der Kreuzung zweier alter Reichsstraßen und erlangte unter den staufischen Kaisern Einfluss und bedeutende städtische Privilegien.

Ende des 14. Jahrhunderts waren alle Rechte einer Reichsstadt in den Händen des Stadt­regiments. In den folgenden zweihundert Jahren entstanden stattliche Bürger­häuser, der heute noch vollständige Mauerring und eine der schönsten gotischen Hallenkirchen Süddeutschlands, das Münster St. Georg.
Der Dreißigjährige Krieg jedoch brachte enorme Bevölkerungsverluste und materiellen Schaden über die Stadt. Die Geschehnisse des Jahres 1632 werden alljährlich wieder gegenwärtig, wenn die Geschichte von Plünderung, Brandschatzung und Rettung im historischen Festspiel ‚Kinderzeche‘ zu Leben erweckt wird.

Von den Kriegslasten konnte sich Dinkelsbühl lange Zeit nicht mehr erholen. Die im Westfälischen Frieden vereinbarte Parität konnte die konfessionell geteilte Reichsstadt außer­dem nach Innen nicht befrieden. Ständige Zwistigkeiten lähmten die weitere Entwicklung. Dinkelsbühl versank in einen Dornröschenschlaf.

Mit dem Ende des Alten Reichs wurde Dinkelsbühl Teil des Königreichs Bayern. Die Spätromantik erweckte das mittelalterliche Städtchen wieder zu Leben. Junge Münchener Maler waren quasi die ersten neuzeitlichen Touristen. Sie verbrachten produktive Malersommer hier und schwärmten in der Hauptstadt von diesem Kleinod. Das Dritte Reich und den 2. Weltkrieg überstand Dinkelsbühl ohne Schäden an seiner mittelalterlichen Substanz.

Dinkelsbühl heute

Dinkelsbühl ist heute wieder geprägt von Handel und Wandel. Die Jahre nach dem Ende des 2. Welt­krieges brachten einen großen Zustrom an Neu­bürgern aus dem Sudeten­land, Schlesien und Siebenbürgen. Damit wuchs die Stadt weit über ihre mittel­alterlichen Mauern hinaus. Gewerbe-  und Industriegebiete entstanden.